Sonntag, 23. Juni 2013

Stolperfalle Anreden

Münsterland in den 30-er Jahren
So habe ich mir das Elternhaus von
Karinas Großtante vorgestellt.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen beim Schreiben aufhalten. Beim Schreiben des Romans "Brandbücher" gab es viele solche Augenblicke schon weil ich mit in das Leben in den 30-er Jahren eindenken musste.
Es stellte sich zum Beispiel die Frage: Wie spricht Karina von ihrer Großtante Katharina? Um solche Fragen zu klären, sind Familienevents sehr hilfreich. Ich habe die nächste Gelegenheit genutzt, bei der sogar meine Großtante anwesen war und die Großtanten einiger junger Gäste. Fazit: Alle sagen Tante Sowieso und selbst, wenn man von ihnen spricht, sagt man eher "die Tante meiner Mutter" als "meine Großtante". 


Das machte mir das Schreiben nicht leichter. Schließlich sollten die Verwandtschaftsverhältnisse dem Leser klar werden, damit man sich nicht ständig wundert, warum die Tante einer jungen Frau bereits 1933 Köchin im Haushalt eines jüdischen Buchhändlers sein konnte.
Das nächste Problem war die Anrede der Funktionäre in der NSDAP: Sturmbannführer, Obersturmbannführer, Gauleiter … Aber was wären Autoren ohne Internet. In einem Forum wurde ich fündig und habe auch sonst noch interessante Dinge zur Anrede herausgefunden: Bis 1970 fügte man nur von unten nach oben dem Dienstgrad ein "Herr" hinzu, ein Gefreiter sagte also: "Jawohl, Herr Leutnant.", während von oben nach unten, vom Leutnant zum Gefreiten zum Beispiel das "Herr" wegfiel: "Gehen Sie zur Seite Gefreiter XY." Sachen gibt's. (In der Waffen-SS fiel das "Herr" auch weg, da sagte man dann nur: "Obersturmbannführer.")
Bei der Recherche fand ich diesen hilfreichen Ratgeber für alle, die gelegentlich über heutige Anreden von Adeligen, Kirchenoberen, Staatsvertretern o. ä. rätseln. 


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