Samstag, 11. Mai 2013

Zeig mir den Tod (Krimi von Petra Busch)

Da habe ich den neuen Krimi von Petra Busch, "Zeig mir den Tod" auf Baltrum in einem Rutsch gelesen und nun weiß ich nicht, wie ich meine Rezension beginnen soll. Am besten mit der Warnung, das Buch ist nichts für schwache Nerven und es empfiehlt sich, Zeit zu haben, wenn man das Buch anfängt. Es lässt einen nicht los.
Im Mittelpunkt der Story steht die Familie Assmann. Da ist der Vater, Günther Assmann, ein mittelmäßiger Schauspieler mit Burgtheater-Ambitionen, der mit seinen Kindern wenig anfangen kann und negative Schlagzeilen um jeden Preis vermeiden will. Seine Frau Lene ist da ganz anders, sie sorgt sich um ihre Kinder und hat nichts dagegen, dass die Polizei eine öffentliche Suchmeldung herausgibt, als sich herausstellt, dass sie nicht in der Schule waren.

Günther Assmann versucht zu beschwichtigen, schließlich ist sein Sohn Marius bereits volljährig. Ein Eigenbrötler zwar, von dem er nicht viel hält. Immerhin kümmert er sich rührend um seine diabeteskranke Schwester Rebecca. Kurzum, es geht in dem Krimi um eine scheinbar heile Familienwelt, die Petra Busch mit ihren Mordfantasien zerstört. Sie nimmt die Leser mit auf die Suche nach den Entführern der beiden Kinder, die merkwürdige Botschaften per SMS schicken und es scheinbar darauf abgesehen haben, Günther Assmann zu vernichten. Wer kann ein Motiv dafür haben? Und warum instrumentiert er ausgerechnet die beiden Kinder? Kommissar Ehrlinspiel und seine Kollegen stehen vor einem Rätsel, das noch größer wird, als sie feststellen, dass die beiden Kinder eine Schwester hatten, die vor 20 Jahren ebenfalls unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Die Beamten ermitteln gegen die Zeit, denn Rebeccas Insulin-Vorrat ist aufgebraucht.
Eine fesselnde Geschichte, bei der man ständig schwankt, welcher der Beteiligten nun der Täter sein könnte. Eine perfekte Urlaubslektüre, die Spannung und Entspannung garantiert.

Petra Busch gibt mit ihren Antworten auf meine drei Fragen einen kleinen Einblick in ihre Schreibwerkstatt. Vielen Dank, Petra. 

1. Wie bist du auf die Idee gekommen, die Geschichte im Theatermilieu anzusiedeln?
Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht mehr. Es haben schon einige genau diese Frage gestellt. Kern des Buches - also die Grundidee - war, dass aus einem harmlosen Spiel einen Katastrophe erwächst. Aus Unachtsamkeit, Nicht-Nachdenken, und irgendwann aus der Situation heraus, dass man, obwohl man erkennt, was passiert, nicht mehr zurück kann. In diesem Zusammenhang verschwinden die beiden Kinder. Und damit das Ganze mehr Dramatik bekommt, habe ich einen Familie gebrauch, die im Licht der Öffentlichkeit steht. So kam ich auf einen Schauspieler. Und ich habe unglaublich viel über Theater gelernt dabei. 


2. Wie sah die Recherche für den Krimi aus?
Für die Polizeiarbeit und Fragen der Rechtsmedizin habe ich seit Beginn meines Schreibens feste Berater. Mein "echter" Kriminalhauptkommissar zum Beispiel liest alles gegen, und ich kann ihn jederzeit mit den abwegigsten Fragen löchern :) Wir kennen uns seit 25 Jahren, und mittlerweile habe ich über meinen Kommissarsfreund auch andere Ermittler kennen gelernt, die mir bei Spezialfragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wenn's etwa um die Psychologie der Täter und seelische Belastung der Polizisten geht, um Stalking, Mantrailer (spezielle Personensuchhunde), Jugenddelinquenz oder kriminaltechnische Details.
Zudem habe ich dieses Mal viel im Theatermilieu recherchiert. Der 86-jährige ehemalige Herrenschneider des Freiburger Theaters, Wilfried Seeger, hat mich mehr als einen halben Tag hinter die Kulissen, in die Garderoben, auf die Hinterbühnen, die Verwaltungsräume und in die Werkstätten geführt und unglaublich spannenden Anekdoten erzählt. Über Diven, über die 17.000 bunten und gerüschten Kleidungsstücke, Hüte, Taschen und Schuhe im Theaterfundus, über feinsinnige Perückenmacher, strenge Intendanten, skurille Regisseure, cholerische Kulissenmaler ... Der Kontakt kam über den Schauspieler Raphaél Nybl zustande, der in Freiburg auf der Bühne gestanden hat und mir in vergnüglichen Café-Stunden Sprechübungen, Mimik und Gestik demonstriert hat. Ganz zum Amüsement der umsitzenden Gäste ;)

3. Warum heißt der Kommissar eigentlich Ehrlinspiel? Das liest sich soooo schwer, da muss der Name doch einen tieferen Sinn haben. Oder nicht?
Ich gelobe Besserung :) Denn in der Tat habe auch ich gemerkt, dass der Name "Ehrlinspiel" rein lese- und merktechnisch nicht ideal ist. Ich habe ihn gewählt, weil er typisch für den Südwesten Deutschland sein sollte, nicht häufig und in der Kombination mit dem Vornamen nicht real existent (ich hoffe, es gibt wirklich keinen zweiten Moritz Ehrlinspiel). Ein Klassenkamerad in meiner Grundschule hieß so, und ich fand den Namen immer klasse. Der Name war mir vertraut, und er gefällt mir immer noch. Ich assoziiere damit Gerechtigkeit und Authentizität, auch etwas Spielerisches, wie das Wort ja schon sagt. Sollte ich ein zweites Serien-Ermittlerteam erschaffen, dann gibt's einen einfacheren Namen. Ich schwör's! :)

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