Freitag, 24. Mai 2013

NullNullSiebzig - Agent an Bord (Marlies Ferber)

Unglaublich, es sind Wochen vergangen, seit ich James Gerald, den Protagonisten Buches "NullNullSiebzig Agent an Bord", kennengelernt habe. Bei einer Lesung von Marlies Ferber im Theater an der Volme.
Gerne hätte ich den Krimi auf einem Kreuzfahrtschiff gelesen, aber da fehlt mir gerade die Einladung. So habe ich das Buch auf der Fähre nach Baltrum begonnen und im Nordseewind zu Ende gelesen.
Mit großem Vergnügen habe ich die Kabbeleien von NullNullSiebzig James Gerald, Agent im Ruhestand, mit Sheila, Ex-Kollegin vom Secret Intelligence Service und Nachbarin, verfolgt. Sheila war es, die James indirekt zu der Kreuzfahrt verholfen hat.

Fast missmutig lässt er sich auf die Reise ein. Eine Absage käme einem Bruch mit Sheila gleich. Will Sheilas Mutter doch auf dem Schiff ihren 90sten Geburtstag feiern - mit James, Sheila, Ex-Ehemännern, Verwandten und skurilen Bekannten. Schon bald zeigt sich, dass die Gesellschaft alles andere als langweilig ist. Ein Gast nach dem anderen kommt abhanden und das Gerücht, dass schon auf einer früheren Kreuzfahrt ein Passagier spurlos verschwunden ist, macht die Runde.
Kein Wunder, dass NullNullSiebzig nicht tatenlos zusehen kann. Ein Abenteuer ganz nach seinem Gescmack bahnt sich an mit einer für James, Sheila und die Leser überraschenden Auflösung.
Ein witziger und spannender Krimi in bester Agatha Christie-Manier, der die Leser abwechselnd schmunzeln und staunen lässt, zumal kleine Parallelen zu 007 nicht zu überlesen sind.
Gerade diese Parallelen haben mich neugierig gemacht und Marlies Ferber hat mir freundlicherweise drei Fragen beantwortet.

1. Ist der Reihentitel NullNullSiebzig von Ihnen und wenn ja, wie sind Sie denn auf die geniale Idee gekommen?
Ja, ist er. Eines morgens wachte ich auf und hatte die Idee für einen Titel: 00 70 - Agent im Altenheim. Das war die Keimzelle des Ganzen, damit hatte ich die Hauptfigur und das Setting und begann zu schreiben. Aus dem Arbeitstitel "Agent im Altenheim" wurde später, als die Leute vom dtv und ich uns über den endgültigen Titel berieten, "Operation Eaglehurst", aber 00 70 blieb als Reihentitel erhalten.

2. Ihr Krimi spielt ja nun nicht in Hagen. Heißt das, Sie sind für die Recherche mit einem Kreuzfahrtschiff gefahren? Und wie haben Sie überhaupt für das Buch recherchiert? James Bond-Filme angeschaut?
Nein, ich habe im Vorfeld nicht extra eine Mittelmeer-Kreuzfahrt gemacht, war aber schon viel auf Schiffen unterwegs. Meine schönste Reise führte Anno 1987 von Shanghai nach Hongkong auf einem Kreuzfahrtschiff, das noch aus den 1930er Jahren stammte, mit einem Mini-Pool, einer altmodischen Bar, verwitterten Korbsesseln, sehr, sehr freundlichem Personal (das uns, als wir Passagiere vor Hong Kong in ein kleines Boot umstiegen, das uns an Land brachte, noch lange nachwinkte). Letztes Jahr hat 00 70, bzw. die Einladung zu einer Lesung an Bord eines A-ROSA-Flusskreuzfahrtschiffes, mich zu einer ganz besonderen Reise geführt, einer Flusskreuzfahrt auf der A-Rosa Bella von Passau über Wien nach Budapest. Das war wunderschön und erinnerte wegen des überschaubaren Kreises an Passagieren und Personal ein wenig an "Tod auf dem Nil" - nur glücklicherweise ohne Mord. Wenn "Agent an Bord" nicht schon fertig gewesen wäre, hätte ich glatt überlegt, aus der Mittelmeer- eine Flusskreuzfahrt zu machen.
Das Recherchieren geht, genau wie mein zweiter Beruf, das Übersetzen, sehr, sehr viel leichter in Zeiten des Internets. Das gilt aber nur für die Fakten, nicht für die Atmosphäre. Da ist es hilfreich, sie selbst erspürt zu haben. Aber nicht alles kann man recherchieren oder selbst erlebt haben, es bleibt natürlich noch das Feld der Fantasie, des Einfühlungs- und Vorstellungsvermögens. Wäre bei Krimis ja auch fatal ansonsten, und jeder Krimi-Autor würde kurz nach Erscheinen des Buches gleich festgenommen. Nein, ich muss glücklicherweise keinen Mord begangen haben, um einen zu schildern. Ich sollte zwar recherchiert haben, wie lang eine Messerklinge sein muss, um tödlich sein zu können, also die Fakten überprüfen. Aber alles andere bleibt der Vorstellung überlassen.
Zu James Bond: Natürlich kenne ich - zumal als Mutter eines 15-Jährigen - alle James-Bond-Filme. Ich mag sie, aber meine Lieblingsfilme gehen eher in die parodierende Richtung, wie "Johnny English" oder "Austin Powers". Bei den Bond-Filmen mit Daniel Craig war ich anfangs zwiegespalten: Daniel Craig finde ich großartig als Schauspieler, sehr präsent und glaubwürdig, aber eben ein bisschen unattraktiv (auch wenn mein Mann und mein Sohn jetzt heftig widersprechen würden). Die Filme selbst: zu schnelle Schnitte, zu viel Hektik, zu wenig Witz, zu viele Verfolgungsjagden und Sprengungen (gähn). Aber "Skyfall" hat mich begeistert, wahrscheinlich, weil er mehr Tiefe hat als die Vorgänger, sehr viel witziger ist und auch die Altersthematik hier endlich eine Rolle spielt.

3. Woher haben Sie Ihre Informationen über den SIS?
Top Secret ;-) - Apropos Top Secret, kennen Sie die gleichnamige Ausstellung in Oberhausen? Sehr zu empfehlen für alle, die sich für die Welt der Geheimagenten interessieren.

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