Montag, 11. März 2013

Ja, was mache ich eigentlich beruflich?

Als Erst-Akademikerin in einer riesigen Handwerker-Familie kenne ich die Frage, die Wibke Ladwig in der Blogparade "NeueBerufsbilder" in ihrem Blog "Sinn und Verstand" (www.sinnundverstand.net) stellt, seit dem ersten Tag meines Berufslebens.


Lehrerin oder Lernbegleiterin?
Ja, was mache ich nach einem Studium als Diplom-Pädagogin? "Du bist also eine Lehrerin?", fragen mich selbst einige meiner Mit-Abiturienten erleichtert. Unter einer Lehrerin kann sich schließlich jeder etwas vorstellen. Aber nein, das war ich nie und das wollte ich nie sein. Deshalb nenne ich mich heute auch Lernbegleiterin, ich könnte mich genausogut Entwicklungsbegleiterin oder Lernberaterin nennen, weil ich in dem einen Teil meines Berufes, Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu mehr Lernerfolg begleite. Das können sich nun auch meine Tanten und Onkel vorstellen, selbst Wibkes Büdchen-Besitzer würde das verstehen, so er mich fragte.
"Und das machst du den ganzen Tag?", heißt es prompt weiter. Und ich komme mit der zweiten Hälfte meines Berufs um die Ecke und erkläre, dass ich Autorin bin und dies schon mit elf Jahren mein großer Traum war.
Hungerleiderin oder Kaffeehausdichterin?
Die Blicke meiner Gegenüber schwanken, je nach Vorbildung, zwischen Ratlosigkeit (Ist das ein Beruf?) und Mitleid (Autoren sind doch die Hungerleider, die nichts gelernt haben und den ganzen Tag in Cafés hocken, oder?). Wenn ich dann erkläre, was ich den ganzen Tag mache, gerate ich selbst ins Grübeln und frage mich, ob das wirklich einen Tag ausfüllen kann.
Eines weiß ich ganz sicher. Im Café findet man mich höchstens mittags, wenn ich mir eine Pause zwischen Schreibstube und Lernbegleiter-Büro gönne. Ansonsten schreibe ich und recherchiere, blogge und gebe Interviews, schreibe wieder und konzipiere Ratgeber und Kinderbücher, Romane und Jugendbücher, Rätselkrimis und Geschichten für Hochzeitszeitungen, Lernhilfen und Studienhefte - für alles eben, wofür mich Verlage, Agenturen, Unternehmen oder Privatpersonen bezahlen. Und wenn ich dazwischen noch Zeit finde, denke ich über meine eigenen Projekte nach, über jene Geschichten, für die ich noch einen Verlag suchen muss, denn Aufträge fallen nicht vom Himmel.

Allrounderin und Ich-Unternehmerin!
Als Selbstständige bin ich nämlich nicht nur Produzentin und Produktentwicklerin, ich bin ein ganzes Unternehmen: Sekretärin und Buchhalterin, Marketingabteilung und Poststelle, PR-Referentin und Webmasterin, Social Media Managerin und Controllerin. Und das alles 24 Stunden 7 Tage die Woche, denn feste Arbeitszeiten und eine Vertretung sind in meiner Stellenbeschreibung nicht vorgesehen. So fahre ich trotz Grippe zu einem Vortrag, weil 100 Eltern darauf warten, dass ich über meinen Elternratgeber spreche, während meine Beamten-Freundinnen sich krankschreiben lassen, weil sie ja schließlich richtig arbeiten, während ich nur - was mache ich noch beruflich?

Vor einiger Zeit habe ich versucht, die Antwort für einen Haiku-Flashmob der Xing-Gruppe Desperate Workwives in Haiku-Form zu geben, daher hier noch die Kurzform für alle DWWs und darüber hinaus:

Für Verlage, Medien und Agenturen
schreibe ich Geschichten, Ratgeber, Lernhilfen und mehr,
damit ihre Leser Neues erfahren.

Kinder, Jugendliche und ihre Eltern
berate und unterstütze ich in meinen Lerncentern,

damit Schule wieder Freude macht.


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