Sonntag, 13. Januar 2013

E-Mails - Gedanken 2. Klasse?

Na gut, E-Mails haben keinen Umschlag,
da könnte nun jeder den Inhalt lesen :-)
Seit zwei Tagen beschäftigt mich die Frage, was bei einem Brief wichtiger ist: der Inhalt oder das Medium, über den der Inhalt transportiert wird. Eine Freundin, die mir kürzlich sogar noch meine 30 Jahre alten Briefe aus der Zeit im Schwarzwald überreichen konnte, verkündete ganz nebenbei: "Die E-Mails lösche ich immer."
Schon ergab sich eine Diskussion darüber, ob E-Mails wert sind, dass man sie aufbewahrt oder nicht. Sie beharrte darauf, das sei ja nichts und könne gelöscht werden.

Nun gut, ich bewahre auch nicht jede E-Mail auf, in der eine Bestellung bestätigt oder eine Versicherung angekündigt wird. Aber E-Mails, in denen Leben beschrieben und Gedanken entwickelt werden, sind für mich nichts anderes als Briefe: Dokumente der heutigen Zeit, der momentanen Gefühlslage eines Menschen und oft auch ein Beleg für die Entwicklung einer Idee.
Hier muss ist mich outen: Ich habe auch viele Papier-Briefe aufbewahrt und meine Briefe kopiert. Schon während des Studiums. Nicht, um sie irgendwann zu veröffentlichen, sondern als Belege für mein Leben. Erst kürzlich las ich in der Psychologie heute einen Artikel darüber, dass wir uns unsere Erinnerung zurecht denken. Manches ist vielleicht gar nicht so passiert, wie wir es erinnern. Und vieles vergessen wir auch ganz einfach und verstehen uns deshalb oft selbst nicht mehr.
Briefe sind wie Tagebucheinträge Belege dafür, was wir einmal gedacht und erlebt haben. Ende letzten Jahres habe ich mich intensiv mit meinen vier Monaten auf dem Berggasthof im Schwarzwald beschäftigt. Ich hatte das Glück, das sowohl oben genannte Freundin als auch meine Mutter meine Briefe aufbewahrt haben. Ich war überrascht, was ich alles anders erinnert habe. Und ich habe bei der Durchsicht der Briefe, die ich damals bekommen habe, einen Brief meines vor sechs Jahren verstorbenen Vaters gefunden. Zwei Seiten eng beschrieben, in denen er mir Mut machte, durchzuhalten, mit Ratschlägen, die heute noch so aktuell sind wie vor 30 Jahren.
Und deshalb werde ich weiterhin E-Mails, in denen es um das Leben, um Ideen und Gedanken geht, aufbewahren. Nicht ausdrucken, aber doch aufbewahren und ganz besonders wichtige als Dokument abspeichern, damit ich sie in 30 Jahren noch einmal lesen kann. Und ihr? Was macht ihr mit euren E-Mails?

Kommentare:

  1. Liebe Birgit,
    ich hüte die Briefe, die ich zwischen 1980 und 2000 von Freunden, Brieffreunden, Verehrern und Verwandten bekam, wie einen Schatz -- und mit bestimmten E-Mails halte ich es ähnlich. Ich speichere sie ab, gelegentlich drucke ich mir auch einige aus. Nenn mich sentimental, aber ich krame immer mal wieder in den Erinnerungen und finde viel Weisheit, viel Mut machendes in den alten Briefen.
    Neulich erst kramte ich meinen Töchtern in meinem Briefe-Köfferchen auf dem Dachboden herum und sie freuten sich sehr an den Dokumenten an der alten Zeit: Wie lustig Luftpostbriefe aus Schottland aussahen, wie hübsch meine Freundinnen ihre Briefumschläge gestalteten! Und: Wer hatte eine Sauklaue, wer schrieb kunstvoll schön? Mit einer Briefschreiberin bin ich seit inzwischen 33 Jahren befreundet, die Kinder kennen und mögen sie wie eine leibliche Tante -- und finden's cool, zu sehen, wie die Geschichte unserer Freundschaft anfing und sich über die Jahrzehnte entwickelte.
    Ich denke, ich werde nach und nach besondere E-Mails auch in diesen Koffer packen. Sie haben es verdient.

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  2. Oh, wie schön, dass es Ihnen genauso geht wie mir. Vielen Dank für Ihre Erfahrung - stimmt, die hübschen Verzierungen der Briefumschläge und Briefbögen gibt es bei E-Mails eher selten, aber die Smileys sind ja so etwas Ähnliches.
    Herzlichst Birgit Ebbert

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  3. E-Mails von Freunden bewahre ich, genau wie Briefe, lange auf. Meine eigenen eher selten.

    (Captchas sind doof!)

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