Montag, 3. Dezember 2012

Matchbox-Boy von Alice Gabathuler

Nun habe ich es endlich wieder geschafft, ein Buch fertig zu lesen. Das erste Kapitel von Matchbox-Boy lag schon Wochen zurück, trotzdem habe ich mich sofort wieder in die Geschichte eingelesen und dieses Mal konnte ich es nicht weglegen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes fesselndes Buch. 
Leonie, Dani und Jorina sind beste Freundinnen, die viel Spaß miteinander haben, nicht zuletzt dank ihrer wohlhabenden Eltern. Doch die gemeinsame Freude daran, sich über andere zu erheben und andere zu piesacken, hält nicht nur bis zu den Sommerferien. Eigentlich sollten es coole Wochen im Haus von Jorinas Eltern werden. 

Die Eltern in der Karibik, eine wenig verantwortungsbewusste Tante als Aufpasserin, da geht auf jeden Fall was. Party nämlich und was man sich als Teenager sonst so vornimmt für eine elternfreie Zeit. Die junge Hilfskraft im Garten scharf machen, zum Beispiel. Dumm nur, dass die drei jungen Damen nicht merken, dass sie nicht Spielleiter, sondern Spielfiguren sind. Für die Figuren in einem Spiel geht das Spiel nämlich nicht immer gut aus, da kann es schon passieren, dass sie aus dem Spiel herausfliegt, von den Hindernissen, die sich plötzlich im Weg zeigen, ganz zu schweigen. Leonie, Dani und Jorina geht es genau wie jenen Spielfiguren. Allerdings entscheidet über ihr Wohl und Wehe nicht der Spielleiter alleine. Er ruft die Internetgemeinde zu Hilfe und lässt diese in einem perfiden Spiel abstimmen, ob sie die Geheimnisse der Mädchen erfahren möchten und ob die drei bestraft werden oder nicht.
Beim Lesen schwankt man ständig hin und her zwischen dem Wunsch, weiterzulesen, um endlich zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht, und das Buch wegzulegen, um sofort sämtliche Accounts in sozialen Netzwerken zu löschen. Ein wirklich gelungenes Buch, das am Puls der Jugend ist, ohne sich anzubiedern und automatisch zum Nachdenken über das manchmal leichtfertige Verhalten im Internet auffordert. Unbedingt lesenswert! 

Alice Gabathuler hat mir drei Fragen zum Buch beantwortet, vielen Dank. 
1. Wie bist du auf die Idee zu dem Buch gekommen?
Das Thema hat sich schon vor Jahren aufgedrängt. Cybermobbing ist nicht neu. Damals, als ich zu recherchieren begann, stiess ich auf den Vater, der auch Eingang in das Buch gefunden hat. Nach dem Selbstmord seines Sohnes begann er, an Schulen über Cybermobbing zu sprechen und die Geschichte seines Sohnes zu erzählen. Weil ich für meine Bücher akutelle Themen aufgreife, lag das Cybermobbing auf der Hand.
2. Hattest du in deinem Umfeld schon mit Cybermobbing zu tun?Nein. Zum Glück nicht. Aber ich bin seit Jahren im Internet unterwegs und habe gemerkt, wie schnell man dort andere verletzen kann und es leider häufig nicht einmal merkt. Wir sind uns viel zu wenig bewusst, dass bei einem virtuellen Austausch unsere Gestik und Mimik fehlen, mit der wir Gesagtes abfedern können oder auf die wir reagieren können, wenn wir feststellen, dass wir unser Gegenüber treffen. Ich bin auf jeden Fall viel vorsichtiger geworden in meinen Formulierungen - und auch damit, was ich im Netz von mir preis gebe. Was ich ebenfalls feststelle: Viele Jugendliche schützen sich heute im Netz viel besser und sind auch vorsichtiger geworden, vor allem in Bezug auf die Bilder, die sie von sich einstellen.
3. Wie hast du es geschafft, den Überblick über die Fäden in deiner Geschichte zu behalten?Durch ganz viel Überarbeitung. Ich habe den Überblick nicht in jeder Phase und häufig füge ich spontan Figuren und Szenen ein. Wenn ich dann merke, dass sich das mit anderen Szenen reibt, mache ich mir eine Notiz und bügle die Holperstellen bei der nächsten Überarbeitungsrunde aus. Manchmal gehe ich sofort zurück und passe die vorherigen Szenen sofort an. Es passiert auch immer wieder, dass mir weit abseits des Schreibens etwas einfällt, das nicht logisch ist. Ich mache mir dann eine Notiz und schaue mir den Text unter diesem Gesichtspunkt noch einmal an. Wichtig ist, die Handlung immer und immer und immer wieder nach dem Warum zu hinterfragen. Warum tut jemand etwas? Warum so und nicht anders? Ergibt es Sinn, was jemand tut? Und wenn es keinen Sinn ergibt, warum nicht (Panikreaktion? keine andere Möglichkeit?) Manchmal denke ich, der ganze Text sei schlüssig und dann fällt mir die eine Warum-Frage ein, die alles über den Haufen wirft. Wahrscheinlich müsste ich weniger Energie in solche Fragen stecken, wenn ich meine Bücher besser planen würde, aber ich bin nun mal nicht die grosse Planerin (will ich auch gar nicht sein). Meine grösste Angst ist denn auch, eine dieser Warum-Fragen zu übersehen.

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1 Kommentar:

  1. Es handelt sich auf alle Fälle um ein "Ausnahmebuch", denn ich kenne sonst keinen Psychothriller für junge Leute. Die Autorin fesselt den Leser von Anfang an mit diesem sehr lesenswerten Buch.

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