Montag, 10. Dezember 2012

Adventlicher Krimi-Tipp: Die Glut des Bösen


In manchen Regionen gehen an Palmsonntag die Kinder singend mit dem Palmstock von Haus zu Haus. Von dieser Beschaulichkeit in diesem Krimi "Die Glut des bösen" von Anette Huesmann nichts zu spüren, obwohl - oder gerade weil - er im Umfeld eines Klosters spielt. Hier wird uns vielmehr offenbart, welche bösen Gedanken selbst hinter Kirchen- und Klostermauern stecken können und dass nicht jeder, der nett und harmlos wirkt auch so ist.

Das alles weiß die Polizeireporterin Emma Prinz noch nicht, als sie den Presseruf erhält und sich entscheidet, an den Tatort eines ungeklärten Todesfalles zu fahren. Ob sie ahnt, dass dieser Fall ihr Schicksal bestimmen wird? Die Leser könnten es ahnen, denn gleich zu Beginn trennt sie sich der Arbeit zuliebe von einem Mann. So hat sie zumindest den Kopf frei für den neuen Auftrag und da braucht sie auch wahrlich einen freien Kopf. Stellt sich doch plötzlich heraus, dass sie dem Opfer vor vielen Jahren bereits einmal begegnet ist und auch ihr Vater eine Rolle in dem Mordfall spielt. Als ob das nicht genügte, verliebt sie sich in einem potenziellen Verdächtigen, der jedoch auch umgebracht wird.
Dennoch gelingt es Emma, einen klaren Kopf zu bewahren, die Informationen richtig zu interpretieren und am Ende in einem spannenden Showdown den Täter zu entlarven und zu stellen. Dass sie dabei ihre eigenen Ängste überwinden muss, ist eher ein Nebenschauplatz. Er zeigt aber, wie gut es der Autorin gelungen ist, die Handlungsfäden zu verflechten und ein fesselndes Muster zu spinnen. Schon die spannende Story ist es wert, den Krimi zu lesen. Besonders reizvoll sind darüber hinaus die Informationen, die der Leser über Hildegard von Bingen und die Rhein-Neckar-Region ganz nebenbei erhält. Sie wirken an keiner Stelle aufgesetzt oder überflüssig, sondern sind geschickt in die Handlung verwoben.
Kurzum: Ein empfehlenswerter Krimi, eine fesselnde Lektüre mit Tiefgang, die neugierig macht auf Wahrheit und Fiktion hinter der Story. 
Vielen Dank, Anette Huesmann, für die Antworten auf meine drei Fragen zum Buch: 
1. Wie bist du auf die Idee für dieses Buch gekommen?
Ich bin Wissenschaftsjournalistin und vor einigen Jahren recherchierte ich einen Artikel über Naturheilkunde und Pflanzenheilkunde. Dabei stieß ich auf den Artikel einer Kollegin, in dem es auch um Hildegard von Bingen ging. So ganz am Rande wurde darin auch erwähnt, dass die Benediktinerin im Mittelalter ein heilkundliches Buch mit außergewöhnlichen Details über die menschliche Sexualität geschrieben hat. Doch das Original dieses Buches ist bis heute verschollen! Und noch während ich den Artikel las, dachte ich, dass wäre ein guter Krimistoff.
2. Wo und wie hast du für das Buch recherchiert?
Zu Beginn meiner Recherchen wusste ich nur, dass Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert gelebt hat. Später las ich davon, dass Hildegard von Bingen als erste das Wissen über Krankheiten und deren Behandlung aus der Tradition griechischer und lateinischer Wissenschaftler mit der überlieferten naturheilkundlichen Medizin Mitteleuropas zusammenbrachte. Dabei entwickelte sie auch eigene Ansichten über die Entstehung von Krankheiten und schrieb sehr offen über die menschliche Sexualität.
Bevor ich dann meinen Krimi zu schreiben begann, habe ich mehrere Biographien über Hildegard von Bingen gelesen, ihre naturheilkundlichen Schriften studiert und ihre Lieder angehört. Außerdem habe ich im Internet recherchiert und in den Bibliotheken Heidelbergs alte Schriften aufgestöbert. Das gesamte Material habe ich gesammelt, gesichtet und gelesen. Später habe ich in Geschichtsforen Fragen gestellt, meine Thesen zur Diskussion gestellt und eigene Schlüsse gezogen.
Als ich bereits an meinem Krimi schrieb, habe ich mehrere Tage im Gästehaus der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard in Rüdesheim verbracht.
Außerdem war ich im Hildegard-Museum der Stadt Bingen und in Bingerbrück, einem Ortsteil von Bingen am Rhein. Dort hat Hildegard von Bingen vor Jahrhunderten das Kloster Rupertsberg gegründet.
Ich habe dann auch lange mit einer ehemaligen Benediktinerin gesprochen, die sieben Jahre im Kloster gelebt hat. Sie hat mir viel erzählt über das Leben als Ordensfrau, über die guten Seiten des Klosterlebens und auch über die Schattenseiten.
3. Wie viel Wahrheit steckt in dem Buch?
Alles was ich über das Leben und Werk von Hildegard von Bingen geschrieben habe entspricht den Tatsachen. Das war mir sehr wichtig, ich habe viel und auch sehr sorgfältig recherchiert. Wobei das natürlich dem Stand der Dinge entspricht zu der Zeit, als ich das Buch geschrieben habe.
In meinem Krimi geht es außerdem um Kastration und die Geschichte der Kastration innerhalb und außerhalb der Kirche. Auch das habe ich sehr sorgfältig recherchiert und alle im Buch geschilderten Fakten entsprechen dem heutigen Kenntnisstand.
Und nicht zuletzt habe ich mich auch bei der Schilderung des Klosters Rupertsberg sehr genau an die Fakten gehalten. Nur eine schriftstellerische Freiheit habe ich mir herausgenommen: Das Kloster existiert heute nicht mehr, es wurde 1632 zerstört. Da mein Krimi in der Neuzeit spielt, habe ich das Kloster für meinen Krimi kurzerhand an seinem alten Standort wiederaufleben lassen.
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