Donnerstag, 18. Oktober 2012

Unsichtbare Blicke

Dass der Computer mehr kann, als wir denken, war den meisten von uns schon lange klar. Doch Frank Maria Reifenberg eröffnet in seinem Thriller "Unsichtbare Blicke" für Jugendliche und Erwachsene ganz neue Perspektiven, die zumindest mich zum Nachdenken gebracht haben, ob es klug ist, den ganzen Tag online zu sein.
Die 17-jährige Josie lebt in einer Familie, die zu einer strengen Sekte gehört. Ihr Vater lässt ihr wenig Freiraum, obwohl sie schon fast 18 ist. Ihre einzige Möglichkeit, an der Welt teilzuhaben sind die Fahrten zu ihrem Taschengeld-Job und das Internet.
Eines Tages trifft Josie Felix, den Schwarm der ganzen Schule an der Haltestelle. Es stellt sich heraus, dass er netter ist als sie gedacht hatte. Netter fast als Geronimo, mit dem sie tagtäglich im Internet chattet.

Während Felix jedoch nur selten erreichbar ist, ist Geronimo scheinbar immer da und er kennt sich aus mit ihren Sorgen, weiß genau, was sie gerade tut. Zu genau, kommt es Josie irgendwann vor.
Eines Tages sind Josie und ihre Freundin verschwunden, aus heiterem Himmel, wie vom Erdboden verschluckt. Eine Suche setzt ein, bei der klar wird, dass es bereits mehrere tote Mädchen gibt. Und alle hatten seltsame Freundschaften über das Internet, doch das ist nicht ihre einzige Gemeinsamkeit, wie sich im Laufe der Geschichte zeigt.
Eine spannende Geschichte mit einem überraschenden Ende, die die Leser fesselt und noch über das Ende der Story hinaus beschäftigt, denn irgendwie könnten wir alle betroffen sein.

Natürlich ist auch Frank Maria Reifenberg nicht um drei Fragen zum Buch herumgekommen, hier sind seine Antworten. Vielen Dank. 

1. Wie bist du auf die Idee gekommen, dass jemand einen anderen über seine eigene Webcam rund um die Uhr beobachten kann?
Das Leben hält gelegentlich die guten Geschichten parat. Ich las einen Artikel in der Tageszeitung. Ein Mann hat genau das getan, bei 140 Mädchen, und sie haben es lange nicht gemerkt. Er wurde dann nach einiger Zeit doch erwischt und verurteilt. Für einen Thriller dieser Art war “nur” gucken natürlich etwas unergiebig, da kam dann natürlich noch die spezielle Absicht mit all ihren Auswirkungen dazu.

2. Woher kennst du dich mit alten verfallenen Gebäuden in der ehemaligen DDR aus?
Man darf jetzt natürlich nicht zu viel verraten. Ich habe bis ganz kurz vor Schluss nicht 100% gewusst, wo und was der Ort sein könnte. Das hat mich geradezu wahnsinnig gemacht.
Es musste einsam sein, nichts drumherum, schalldicht usw. Das waren also Kriterien. Da kann ein Autor eine Menge “behaupten” und konstruieren. Aber viel schöner ist es natürlich, wenn ein solcher Ort einen realen Hintergrund hat. Manchmal hat man dann Glück: Es war ja geografisch festgelegt, wo es ungefähr sein musste, also wo der Täter lebt. Von dort habe ich einen Radius geschlagen und geschaut, was es dort alles so gibt und bei der Recherche im Internet stieß ich auf diese besonderes Art von “Kellern” und deren Geschichte. Es gibt die in Thüringen (und auch anderswo).
Die Größe des Radius’ war übrigens grob vorgegeben, das berechnet sich aus den Aktivitäten und Strecken, die der Täter in seinem Alltag zurücklegen muss. Über den Aufbau der Keller findet sich einiges im Internet, den äußeren Zugang könnte ich dir zum Beispiel auf einem Foto zeigen. Über die Jugendwerkhöfe gibt es einiges im Internet. Die Zusammenstellung des ganzen “Ensembles” ist natürlich Fiktion. 

3. Wie oft am Tag überprüfst du deinen Computer, ob du nicht auch heimlich überwacht wirst?
Soll ich mal in die Kamera winken? Siehst du mich? Was? Ich habe noch Nutella an der Lippe? :-))) Die Antwort ist: Nie. Die Überwachung bei allen Aktivitäten im Internet ist sowieso schon so groß, da ist nicht mehr viel zu verbergen. :-)

Mehr über Frank Maria Reifenberg gibt es hier: www.frank-reifenberg.de.
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