Sonntag, 29. Januar 2012

Schilly-Billy Superstar von Heidemarie Brosche

Billy steckt irgendwie in einer Pechsträhne, ein Problem nach dem anderen und dann ist auch noch sein Handy weg, ausgerechnet, als sein Vater ihm etwas Wichtiges mitteilen will. Kein Wunder, dass Billy total durch den Wind ist und versehentlich ein Stück aus einem Schillergedicht zitiert. Dass das der Start für eine ganz besondere Karriere ist, ahnt er noch nicht, als die Standpauke des Schulleiters über ihn hereinbricht.

In dem Moment fühlt er sich als Nichts und Niemand, als jemand, der nichts kann, um sich beliebt zu machen oder hervorzutun. Wie zum Hohn fällt ihm da die Ausschreibung zum Schulwettbewerb, der Suche nach der besten Idee, in die Hände. Aber irgendwie nagt dieser Wettbewerb an ihm, er würde gern teilnehmen, wenn er eine Idee oder Fähigkeit hätte. Gleichzeitig spukt ihm dieser alte Schiller im Kopf herum mit seinen Sprüchen, die sein Leben perfekt beschreiben.
Als er mit seinem Freund Ömer, der locker als Beatboxer am Schulwettbewerb teilnehmen könnte, durch die Gegend zieht, und er wieder einmal ein paar Schillersprüche von sich gibt, beschließen die beiden, gemeinsam an dem Wettbewerb teilzunehmen. Auf einmal sieht das Leben ganz anders aus, die Probleme sind zwar immer noch da, aber sie wirken gar nicht mehr so schlimm mit Blick auf das Ziel, das Billy sich gesteckt hat: den Schulwettbewerb zu gewinnen.
Heidemarie Brosche hat sich in ihrem Jugendroman "Schilly-Billy Superstar" (Hase & Igel Verlag) sehr treffend in die Gedankenwelt eines Jugendlichen hineinversetzt, für den kleine Probleme noch wie Mauern erscheinen. Sie beschreibt amüsant und doch einfühlsam, wie Billy durch das Leben schlurft, man kann sich die offenen Schuhbänder und die tief hängende Hose geradezu bildlich vorstellen, wenn man seine Gedanken liest. Allerdings bleibt das Buch nicht dabei stehen, den von der Welt genervten Billy zu zeigen, sie führt ihn heraus und nimmt die Leser dabei auf eine Weise mit, die authentisch und glaubhaft wirkt und nicht unrealistisch und abgehoben. In Billy und Ömer, Ahmed und Jenny kann sich jeder Jugendliche wiederfinden und jedem würden die Erfolgserlebnisse, die Billy am Ende des Buches erwarten gut tun.

Ich war doch neugierig, wie es Heidemarie Brosche gelungen ist, die Welt der Jugendlichen so genau einzufangen und habe ihre die obligatorischen drei Fragen gestellt, vielen Dank für die Antworten:

1. Hattest du beim Schreiben des Buches einen bestimmten Jungen vor Augen?
Nein, das war kein bestimmter Junge. Den hab ich mir so ausgedacht. Natürlich auf der Grundlage dessen, was ich in meiner Schule drei Tage die Woche so erlebe.

2. Wieso lässt du Billy ausgerechnet in einem Schulwettbewerb gewinnen, wo Schule für Schüler in seinem Alter doch eher out ist?
Das hat einen ganz einfachen Grund: Ich bin an unserer Schule die betreuende Lehrkraft der Mittelschul-Schülerzeitungsredaktion. Meine RedakteurInnen hatten sich mal ausgedacht, ein Casting bzw. einen Wettbewerb an der Schule zu machen, um die Auflage der Schülerzeitung zu erhöhen. Über die Ideenfindung und kleine Vorbereitungsarbeiten ging es dann nicht hinaus, aber die Idee blieb in meinem Kopf.

3. Wie schaffst du es, die Welt der Jugendlichen so treffend zu beschreiben?
Ich unterrichte ja – wie schon erwähnt - in Teilzeit an einer Mittelschule in einer bayerischen Großstadt. Dort bin ich von Jugendlichen „umzingelt“. Außerdem ist mein jüngster Sohn, ein Nachzügler, auch erst 16 Jahre alt. Natürlich schaue und höre ich sehr genau hin. ;-)

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