Montag, 11. Juli 2011

Froschprinzessin und Supermann

Als ich das Buch "Froschprinzessin und Supermman" von Nikola Huppertz im Verlagskatalog sah, wurde ich sofort neugierig. Es erinnerte mich nämlich an das Theaterstück "Haus und Garten", das ich vor Jahren im Bochumer Schauspielhaus gesehen habe. Da wurde eine Geschichte aus zwei Perspektiven auf zwei Bühnen gleichzeitig gespielt. Sofort habe ich mir das Buch zur Rezension bestellt und bin noch immer entzückt.

Zoe sie zwar wie ein kleines Mädchen aussieht, das demnächst in die Schule kommt, in Wirklichkeit ist Zoe aber eine Prinzessin, eine Froschprinzessin, um ganz genau zu sein. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem großen Bruder Luzius, der manchmal sehr nervig ist, Oma Plattern mit dem Kaminofen und vielen anderen in einem großen alten Haus. Am liebsten spielt Zoe mit ihrer Freundin Ellen, aber auch mit Clemens aus ihrem Kindergarten. Zoe hat es nicht immer leicht, nicht nur, dass Ellen vor ihr eine Zahnlücke hat und Besuch von der Zahnfee bekommt, bei ihrer Geburtstagsschlafparty vergrault ihr Bruder Luzius auch noch die Gäste. Doch zum Glück gibt es Supermann Clemens, der eigentlich gar kein Supermann ist. Aber als sein Vater krank ist, muss er der Supermann sein und stellt fest, dass er ziemlich gut darin ist. Clemens hat es auch nicht leicht, ausgerechnet, als Zoes Bruder Luzius ihn erschreckt hat, hatte er seinen Supermannmantel nicht dabei und seine Schwester Ellen spielt nur mit ihm, wenn sonst keiner zum Spielen da ist. Trotzdem ist er sich nicht sicher, ob er Zoe heiraten möchte, schließlich ist Ellen auch sehr nett.
Froschprinzessin Zoe und Supermann Clemens zeigen in diesem bezaubernden Kinderbuch, dass Kinderleben sehr schwer sein kann. Ein Glück nur, dass man sich als Kind in die Welt der Fantasie flüchten kann und schnell mal eine Runde in einem Fantasiemotorrad drehen kann, wenn man sich einsam fühlt.
Nikola Huppertz hat eine wunderbare Geschichte über zwei Fünfjährige geschrieben, die so authentisch wirkt, dass auch erwachsene Leser sich heimisch fühlen. Wie mag es da erst Kindern gehen. Um ihnen das Verständnis zu erleichtern, sind die Abenteuer von Zoe und Clemens in kleine Kapitel aufgeteilt, die jeweils mit einer Bilderseite mit Andeutung des Kapitelinhalts beginnen. Jedes Kapitel endet mit einer Frage zum Nach- und Weiterdenken darüber, warum Zoe oder Clemens sich so verhalten haben, was sie wohl gedacht haben könnten u. ä. Das Neuartige an dem Buch ist jedoch, dass man es kein vorne und hinten gibt, je nachdem, wie man das Buch hält, liest man die Geschichte von Supermann Clemens oder von Froschprinzessin Zoe. Die Geschichten sind wunderbar aufeinander abgestimmt, sodass man sie auch abwechselnd lesen kann, mal eine Zoe-Geschichte, dann ein Clemens-Erlebnis oder umgekehrt.
Ein besonders gelungenes Buch, das Spaß macht und den Geist der kleinen und großen Leser wach hält. Was mich noch immer beschäftigt ist die Frage, warum manche Wörter größer geschrieben sind als andere. Das ist eine der drei Fragen zum Buch, die ich Nikola Huppertz gestellt habe.

Woher haben Sie die Ideen für die Erlebnisse von Zoe und Clemens?
"Supermann und Froschprinzessin" ist über einen sehr langen Zeitraum hinweg entstanden, und so kam eine Idee zur nächsten.
Angefangen hat alles mit der Geschichte "Clemens ist Clementine", die ich mir ursprünglich als Bilderbuchtext ausgedacht hatte. Als sie fertig war, hatte ich Clemens aber so lieb gewonnen, dass ich weitere Geschichten über ihn schrieb und mir die dabei entstehende Sammlung immer klarer als Vorlesebuch vorschwebte. Die einzelnen Episoden sollten dabei möglichst authentisch dem Alltag und dem inneren Erleben eines Kindergartenkinds entsprechen, seine Gefühle, seine Sorgen und seine Freuden zum Ausdruck bringen. Ich stellte mir die Frage: Was widerfährt einem Kind dieses Alters eigentlich so den ganzen Tag: mit Eltern und Geschwistern, im Kindergarten, mit Nachbarn. Was wird von ihm verlangt, wer erzieht an ihm rum, was denkt es sich aus, wenn es spielt, und wie sieht es sich dabei selber. Die konkreten Geschichten-Situationen ergaben sich durch diese Überlegungen fast von selbst.
Ich glaube, dass man auch schon sehr jungen Kindern Geschichten mit "Innenschau" erzählen kann, wenn man geeignete Sprachbilder findet und sich dabei kindlicher Phantasien bedient. So entstand auch das Supermann-Motiv, das sich durch die Geschichten schlängelt und für den sensiblen und schüchternen Clemens einen wichtigen Kniff darstellt, mit äußeren Anforderungen klarzukommen. Analog habe ich später das russische Froschprinzessinnen-Motiv für Zoe aufgenommen, dem ein erstaunlich emanzipiertes Mädchen- und Frauenbild zugrunde liegt und das sich deutlich von den ziemlich dürftigen Eigenschaften der Prinzessinnen in deutschen Märchen abhebt. Gleichzeitig hatte ich großen Spaß daran, mit den Attributen von "Supermännern" und "Froschprinzessinnen" zu spielen, dabei Rollenklischees in Frage zu stellen und scheinbare Widersprüche zu vereinen. So darf Clemens in all seiner Ängstlichkeit "super" sein, Zoe sich über die Frage, ob sie so schön ist wie die zarteste Prinzessin, mit ihrem großen Bruder prügeln.
Aber Zoe gab es anfangs ja noch gar nicht, sondern nur einen Packen Clemens-Geschichten, und damit sind wir eigentlich schon bei Frage zwei angekommen:

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, zwei Bücher in einem zu schreiben, deren Geschichten sich auch noch aufeinander beziehen?
Aus diesem Packen wollte dann nämlich der Arena-Verlag tatsächlich ein Vorlesebuch machen. Im gemeinsamen Gespräch mit der Programmleiterin kam die Idee auf, einen korrespondierenden Band mit einer weiblichen Hauptfigur zu schreiben. Ich pickte mir daraufhin eines der beiden Mädchen aus "Clemens ist Clementine" heraus und machte mich daran, es näher kennenzulernen. Je mehr Gestalt Zoe dabei annahm, desto deutlicher bemerkte ich aber, dass ich sie doch nicht in einem von Clemens unabhängigen Buch agieren lassen wollte, weil die beiden in meinem Kopf von Anfang an eng verzahnt und aufeinander bezogen waren. So hatte ich die Idee, statt zweier einzelner Bücher ein Wendebuch zu machen, in dem beide Hauptfiguren sowohl unabhängig voneinander als auch gemeinschaftlich vorkommen. Ich fand es spannend, die Begegnungen der beiden jeweils in ganz unterschiedliche Kontexte einzubetten, um zu zeigen, dass ein- und dieselbe Situation von zwei verschiedenen Menschen völlig anders wahrgenommen wird und es sich lohnt, sich in den anderen oder die andere hineinzudenken. Diese Idee hatte zur Folge, dass ich auch die Clemens-Geschichten unter diesem Gesichtspunkt neu- oder umgeschrieben habe. Gleichzeitig sollte die Freundschaft zwischen Zoe und Clemens für mich nie "alles" sein, die beiden sollten zwischendurch immer wieder mit anderen Leuten, in anderen Zusammenhängen auftreten, denn das Leben ist nun mal multidimensional, und was zwei Menschen teilen, ist immer nur ein Ausschnitt aus einer Vielzahl individueller Erlebnisse.

Ganz ehrlich: Haben die groß geschriebenen Wörter eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum sind die Wörter dann groß geschrieben?
Ganz ehrlich: Das müssen Sie den Verlag fragen. :-) Ich habe die Wörter in meinem Text nicht entsprechend hervorgehoben; das war eine Entscheidung der Layouter, in die ich mich nicht eingemischt habe.
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