Dienstag, 10. Mai 2011

"750 Gramm pro Woche" - Jugendroman von Renate Kaiser

"750 Gramm pro Woche" – all diejenigen, die schon einmal einen Kurs zum Abnehmen besucht haben, wissen gleich, worum es geht: Das wöchentliche Wiegen. Und genau darum geht es auch in diesem lesenswerten Jugendroman von Renate Kaiser, allerdings geht es nicht um ein Mädchen, das abnehmen muss, weil es zu dick ist, sondern um eine merkwürdige Freundschaft.
Tabea ist mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder aus Stuttgart nach Düsseldorf gezogen. Mitten im Schuljahr ist es nicht leicht für sie, Freunde zu finden. Kein Mädchen aus der Klasse interessiert sich für sie oder zeigt wenigstens höfliches Interesse aus Mitleid. Nur Niklas, der Professor, der sich in der Pause mit Büchern von den anderen absondert, spricht mit Tabea. Eigentlich sind die Gespräche auch gut, doch Tabea sehnt sich nach Freunden und als Aurelia, der Star der Klasse, sie zu einem Mädchennachmittag einlädt ist sie überglücklich. Doch schon beim ersten Besuch kommen ihr Zweifel: Aurelia, Dana und Celine machen sich in bester Bohlen-Manier über sie lustig, als sie über den simulierten Laufsteg geht. Doch das ist noch nicht alles, beim wöchentlichen Wiegen zeigt sie mit Abstand das höchste Gewicht an und wird weiter verhöhnt. Tabea beißt die Zähne zusammen: Sie will mit Aurelia, Dana und Celine befreundet sein. So übersieht sie auch, dass sich keines der Mädchen wirklich für sie interessiert, sondern nur für ihr Gewicht und das, was sie tut, um Gewicht zu verlieren: 750 Gramm pro Woche muss sie abnehmen, um in der Clique zu bestehen. In der ersten Woche geht alles gut, doch als Tabea in der zweiten Woche zuversichtlich auf die Waage steigt, hat sie nur 200 Gramm Gewicht verloren. Zu wenig, finden Aurelia und ihre Anhängerinnen und zeigen ihr auf demütigende Art, wie sie die restlichen 550 Gramm in einer Minute verlieren kann. Da endlich begreift Tabea, dass sie sich in den Mädchen getäuscht hat.
Ein mitreißendes Buch, das die Sehnsüchte vieler Mädchen nach Freundschaft, Anerkennung, aber auch einer Top-Model-Figur aufgreift. Mit Verständnis für Tabea in ihrer scheinbar ausweglosen Einsamkeit zeigt die Autorin, wohin falsche Freundschaft führen, aber auch, wie echte Freundschaft aussehen kann. Ein empfehlenswertes Buch – nicht nur für Mädchen, sondern für alle, die wissen möchten, wie Mädchen denken und welche Sorgen sie haben.

Nach der Lektüre des Buches wollte ich noch etwas mehr dazu wissen, wie das Buch entstanden ist und habe Renate Kaiser folgende drei Fragen zum Buch gestellt:
1. Wie bist du darauf gekommen, dich mit diesem Thema zu beschäftigen?

Ich habe festgestellt, dass sich heute schon Fünft- und Sechstklässerinnen kritisch mit ihrer Figur und ihrem Äußeren auseinandersetzen, sicherlich angeregt durch die Musikvideos bei Viva und MTV und auch durch Sendeformate wie „Germanys next Topmodel“. Deshalb richtet sich mein Buch auch an Mädchen ab 12 oder 13 Jahren.

2. Woher kennst du dich so gut aus mit der Sprache der Teenager?

Ich leite viele Kurse zum Kreativen Schreiben in Schulen, Jugendzentren und kirchlichen Einrichtungen, da komme ich ständig mit Jugendlichen in Kontakt, außerdem habe ich eine 15-jährige Tochter.

3. Hast du die Namen für die Personen bewusst ausgewählt? Wenn ja, wie hast du sie gefunden?

Ja, ich habe sie bewusst gewählt, es sollten keine absoluten Modenamen sein, sondern lieber ein bisschen außergewöhnlich. Die Namen fielen mir aber zu, ich habe nicht in Vornamenlisten gesucht.
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