Sonntag, 6. März 2011

Das hätte ich auch gerne: "Lenas geheimes Wunschbuch"

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, sein Leben umzuschreiben – ok, manche Prominente tun das vielleicht sogar in ihrer Biografie. Doch aus sie können das Geschehene nicht ungeschehen machen. Nun, das kann auch Lena nicht, die plötzlich feststellt, dass der Stift, den sie gefunden hat, zu dem Notizbuch passt, das ihr ihre Tante geschenkt hat, und dass er merkwürdige Kräfte besitzt. 
Lena ist die Hauptfigur des neuen Mädchenromans "Lenas geheimes Wunschbuch" von Stefanie Dörr. Eigentlich schreibt Lena nur so zum Spaß in das Buch, das mit seinen roten Blümchen auf blauem Grund hübsch aussieht. Doch dann stellt sie fest, dass das, was sie aufgeschrieben hat, Wirklichkeit geworden ist. Ob das Zufall ist? 
Lena probiert es an unwichtigen Dingen aus und stellt fest, alles, was sie schreibt, passiert auch – es sei denn, sie will sich schreibend ihre eigenen Wünsche erfüllen. Das klappt nicht. Aber auch so gibt es noch genug, was Lena mit ihrem Blümchenstift verbessern kann und wenn sie es clever anstellt, springt auch für sie noch die Erfüllung des einen oder anderen Wunsches heraus. 
Die Geschichte um Lena und ihr Wunschbuch ist eingebettet in das mehr oder weniger eintönige Leben eines Teenagers, dessen Eltern getrennt leben und dessen beste Freundin gerade weggezogen ist, das sich im Treppenhaus mit merkwürdigen Nachbarn herumschlagen muss und an seinem Geheimplatz in der Kirche plötzlich von der Neuen aus dem Haus gestört wird. Wenn da nicht auch noch diese eingebildeten Mädchen in der Schule wären und dieser ebenso eingebildete Paul, der dann auch noch ausgerechnet Lenas Wunschbuch findet. 
Das Leben ist nicht einfach, soviel ist klar und Stefanie Dörr gelingt es, dieses Leben mit Witz zu beschreiben, sodass die Leser wie Lena ständig hin- und hergerissen sind zwischen Lachen und Weinen. 
Eine pfiffige Idee, pfiffig umgesetzt, die sicher dazu führen wird, dass die eine oder andere Leserin versucht, sich heimlich ein aufregende Erlebnisse ins Leben zu schreiben.

Und das wollte ich von Stefanie Dörr zu ihrem Buch wissen:
Was hättest du in das Wunschbuch geschrieben, als du so alt warst, wie Lena?
Der Haken ist ja, dass sich Lena eigene Wünsche nicht direkt erfüllen kann. Da muss sie tricksen. Das hätte ich natürlich auch versucht und dann wäre das Buch ziemlich schnell vollgeschrieben gewesen. Damals hatte ich eigentlich immer etwas zu meckern und damit immer etwas, das ich gerne geändert hätte. Ein eigenes Pferd, üppigeres Taschengeld, bessere Klamotten und ganz wichtig einen weniger strengen Vater und viel mehr Freiheiten, als mir eingeräumt wurden.
Darüber hinaus wird es schon schwieriger. Um gesellschaftlich bedeutende Themen, den Weltfrieden, Atomkraft und Hungersnöte habe ich mir erst ein paar Jahre später Gedanken gemacht. Mit Sicherheit hätte ich einiges für den Tierschutz getan und unseren zahlreichen Haustieren zu ewigem Leben verholfen. Und meinen Freundinnen wäre ich bei ihren eigenen Schwärmereien, ihrem Ärger zu Hause, ihren Pferdewünschen und Kleidungsfragen tatkräftig zur Seite gestanden.
 
Hattest du als Teenager auch einen solchen Rückzugsplatz wie Lena? Wenn ja, wo?
Ja, das hatte ich allerdings und das war damals sehr wichtig für mich. Wie man unschwer erraten kann, bin ich mit Hunden aufgewachsen und diese mussten eben auch Gassi geführt werden. Gerade in Lenas Alter bin ich zur Freude unseres damaligen Hundes stundenlang durch die Wälder gezogen. Dort gab es einige Orte, die ich zum Nachdenken oder Alleinsein immer wieder aufgesucht habe. Zum Beispiel eine dicke Buche mit weichem Mooskissen am Stamm oder ein lauschiges Plätzchen an einem freundlichen Waldsee. Verstecke und Traumplätze gab es bei uns allerdings auch in Haus und Garten ziemlich viele.
 
Der einzige Junge in dem Buch kommt ja nicht so gut weg. Welches Vorbild hattest du dafür?
Gut, dass ich damals mit solchen Ekelpaketen nichts zu tun hatte. Es gibt also kein konkretes Vorbild. Aber Angebertypen, die Schwächere niedergemacht haben oder Anführer von Cliquen, die ihre vermeintliche Macht ausnutzten – die hatten wir in ausreichender Zahl an unserer Schule. Verpönte Verhaltensweisen fand ich in diesem Alter höchst faszinierend. Es stellte sich erstaunlicherweise heraus, dass nicht alle Welt so brav wie ich und meine behüteten Freundinnen war. Wenn man also viele kleine Gemeinheiten in einer Person versammelt, ergibt das auch einen ganz passablen Bösewicht.
Bei Lena kommt noch hinzu, dass sie sehr mit sich, ihren neuen und alten Freundschaften und ihrem Wunschbuch beschäftigt ist. Sie hat – momentan – weder in ihrem Kopf noch in ihrem Leben Platz für die guten Jungs. Dass ihr dann ausgerechnet so ein unsympathisches Exemplar über den Weg läuft, ist natürlich ausgesprochenes Pech. Aber es gibt einen Trost – im zweiten Band von Lenas Wunschbuch, der im Sommer 2011 erscheint, wird das Jungsdefizit mehr als wettgemacht. Amazon

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