Donnerstag, 10. Februar 2011

Jungsquote im Kinderbuch 2: Rick

Eigentlich wollte ich ja in einem Beitrag etwas über "Rick" von Antje Szillat und Tina Zangs "echte Helden" schreiben, doch dann wäre der Beitrag zu lang geworden. Auch Blogleser lesen heutzutage nicht mehr gerne lange Beiträge, oder?
"Rick" mit seiner durchgeknallten Familie hat mich am Samstagabend wach gehalten. Eigentlich wollte ich nur kurz hineinlesen, um zu testen, wie es sich liest. (Ich hatte nämlich kürzlich ein anderes Buch aus der Jungsquoten-Reihe, in das ich einfach nicht hineinkam. Das liest jetzt ein Junge für mich Probe.) Doch dann haben mich Rick und sein Vater, der WG-Genosse Wutz, Oma Mary mit dem katzenhassenden Fast-Kampfhund und Katze Gismo so gefesselt, dass ich das Buch gleich zu Ende lesen musste.

Eigentlich waren es nicht die zahlreichen Lebensgenossen Ricks, die mich gefesselt haben, sondern Rick, der so knuffig aus seinem Leben erzählt, dass ich immer zwischen Mitleid und Neid hin- und herschwankte. Kein Wunder, dass das Buch den Untertitel "Wie man seine durchgeknallte Familie überlebt" hat. Rick muss einiges aushalten, nicht nur die Launen der Herren aus seiner Männer-WG und die Verrücktheiten seiner Oma und der Tiere um ihn herum. Nein, auch seine Freunde sind nicht mehr das, was sie mal waren. Da zieht doch Chrissie, sein Blutsbruder, einfach nach Stuttgart ohne etwas zu sagen - und er, Rick, muss es aus dem Mund der wenig sympathischen Klassenlehrerin Frau Püttelmeyer erfahren. Wer meint, das bisschen könne ein Junge wie Rick doch leicht wegstecken, der kennt noch nicht das ganz große Damoklesschwert, das über ihm schwebt: Sein Vater hat sich verliebt. Nicht in irgendwen, sondern in seine Kunstlehrerin und die Mutter des größten und peinlichsten Strebers seiner Schule. Ok, die Lehrerin findet Rick eigentlich ganz ok, aber als ständigen Hausgast muss er sie nicht haben. Der Sohn dagegen ist völlig indiskutabel, sodass Rick richtig schwere Geschütze auffährt, um diese Eindringlinge loszuwerden.
Doch wie Rick nun einmal ist - liebenswert und chaotisch -, nicht alles funktioniert so, wie er sich das gedacht hat und so lernt er aus erster Hand, was es heißt "Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein". Auch wenn er keine Grube gräbt, bei weitem nicht.
Eine gelungene Geschichte, die - auch dank der witzigen Illustrationen - viel Raum für breites Grinsen und lautes Lachen lässt, aber auch - dank Pauls Sorgen und Nöte - für das Nachdenken über sich, das Leben, Freundschaft, Familie und was das Leben sonst noch wertvoll macht. Antje Szillat hat es geschafft, die Gedanken und Gefühle eines Elfjährigen so wiederzugeben, dass sich Jungen wiederfinden und trotzdem cool bleiben können.
Um herauszufinden, was Antje Szillat sich beim Schreiben des Buches gedacht habe, habe ich auch ihr drei Fragen zum Buch gestellt, die sie dankenswerter Weise auch beantwortet hat:

Woher kennst du dich so gut mit Eishockey aus?
Tja, eigentlich kannte ich mich kein bisschen aus. Null Plan, um es auf den Punkt zu bringen. Aber dann habe ich mich auf den Weg zu den Hannover Indians gemacht und die haben mich in die Geheimnisse des Eishockeys erstklassig eingeweiht. Ich kann dir sagen, es war kalt. Eiskalt. Aber es hat Spaß gemacht und ich darf jederzeit wiederkommen (was ja ein gutes Zeichen ist ;-)), obwohl ich bestimmt ein paar ziemlich absurde und lächerliche Fragen gestellt habe. Seitdem kenne ich mich richtig, richtig gut aus ;-).

Wie bist du auf die lustigen Namen wie Wutz und Frau Püttelmeyer gekommen?
Wutz ist ein Uralt-Freund aus meiner Kindheit. Sein Bruder wurde übrigens Pook genannt und sein bester Freund Skipper. Du siehst, wie waren damals schon sehr kreativ ;-). Frau Püttelmeyer ist mir zugeflogen und Gismo ebenfalls. Er war plötzlich da und hat mein Büro sofort mit einem seiner hundertprozentigen Katzenpupse verpestet. Da wusste ich, das kann nur Gismo sein.


Woher kennst du dich so gut aus, was Jungs denken?
Nicht ich kenne mich so gut mit den Gedanken von Jungs aus, sondern Rick. Und weil das so ist, habe ich Rick auch die ganze Geschichte erzählen lassen.  Nein, ernsthaft, keine Ahnung. Ich habe zwei Jungs und zwei Mädchen. Die Jungs gehen ein wenig nach mir (sagt mein Mann). Vielleicht war ich ja in einem früheren Leben ein Junge? So ein richtig wilder, frecher, cooler Kerl. Ansonsten kann ich dazu nur sagen, ich „spioniere“ gerne mal den ein oder anderen Jungen aus (davon sind immer eine Menge bei uns im Haus ;-)) und höre sehr genau hin, was sie zu sagen haben, wie sie sich unterhalten, wofür sie sich interessieren … versuche eben einfach ein bisschen ihre Welt zu verstehen.
Informationen zu Rick und seiner Erfinderin gibt es hier. Amazon
 



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