Dienstag, 15. Februar 2011

Holundermond - ein Feuerwerk der Spannung

Im Moment jage ich förmlich den Neuerscheinungen meiner Autorenkollegen hinterher. Kaum habe ich ein Buch ausgelesen, liegt schon das nächste da und ich kämpfe mit mir, um ein bisschen Zeit für die Arbeit.
Am Sonntag ist ein bisschen Arbeit liegen geblieben und auf einen Sonnenspaziergang habe ich auch verzichten müssen, weil mich Nele, Flavio, Jan und all die anderen aus dem Buch "Holundermond" von Jutta Wilke nicht aus ihren Fängen gelassen haben.

„Holundermond“ – schon der Titel kündigt an, dass in diesem Buch einiges im Dunkeln liegt. Und so ist es dann auch. Schon im Prolog werden die Leser mitgezogen in die Kartause Mauerbach, ein Kloster, das am Ende des 18. Jahrhunderts als Siechenhaus diente. Hier versucht Johanna ihren kleinen Bruder vor dem Sterben zu bewahren. Da sieht sie jenen unheimlichen Fremden, der einen goldenen Kelch durch all die Sterbenden trägt. 
Zum Glück dauert dieser gruselige Moment nicht lange und die Leser gelangen zurück in die Gegenwart und das ganz normale Leben einer heutigen Zwölfjährigen. Ihre Eltern wollen sich trennen, der Vater zieht weg und sie soll zurückbleiben. Das kann Nele nicht einfach so hinnehmen, sie versteckt sich im Auto ihres Vaters – ohne zu ahnen, dass sie mit ihm nicht nur nach Wien, sondern in das Abenteuer ihres Lebens fährt. Das können sie und die Leser erst erahnen, als ein Laster versucht, das Auto des Vaters von der Straße in den Abgrund zu stürzen. 
Die Leser sind Nele immer etwas voraus. Sie erfahren, dass dieser Unfall ein Anschlag war und sie wissen auch, dass der Wissenschaftler, mit dem Neles Vater Jan sich treffen will, in böse Machenschaften verwickelt ist. Wie böse diese Machenschaften jedoch sind, das können auch sie nur erahnen. Der Autorin gelingt es hervorragend, die Leser zwischen den Zeiten wandeln zu lassen, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt. Da wechseln sich handfeste Verfolgungsjagden durch das Kloster ab mit merkwürdigen Andeutungen, deren tieferer Sinn sich erst im Laufe der Geschichte erschließt. Mit Spannung verfolgen die Leser, wie Neles Vater gefangen gehalten wird und schließlich sogar noch in die andere Zeit gesperrt wird. Ständig schwebt über den Lesern die Frage, wird Nele ihren Vater finden, wie kann sie ihn überhaupt retten. 
Ein Feuerwerk der Spannung ist dieses Buch, das man am besten am Wochenende lesen sollte, weil man es nicht aus der Hand legen kann. 
Ich habe natürlich auch die Autorin vom "Holundermond" drei Fragen zum Buch gestellt, die euch neugierig machen sollen. Hier sind ihre Antworten:

Wie bist du auf die Idee für dieses Buch gekommen? 
Eigentlich ist die Geschichte für dieses Buch, wie so viele Geschichten, zu mir gekommen.
Alles fing damit an, dass meine beste Freundin eines Tages verkündete: Ich gehe ins Kloster.
Nun wollte meine Freundin aber nicht wirklich der Welt entsagen. Nein, sie hatte sich verliebt und der Glückliche lebte und lebt in Österreich in Mauerbach bei Wien, in einer Dienstwohnung der Kartause Mauerbach. Dass die Kartause heute kein Kloster mehr, sondern ein Museum ist, habe ich natürlich schnell erfahren. Bei meinen Besuchen in Mauerbach konnte ich dann stundenlang durch dieses Kloster streifen und mich mit seiner Geschichte befassen. Und irgendwann bin ich in einem der zahlreichen Gänge Nele und Flavio begegnet ;-)

Hast du eine solche Wanderung zwischen den Zeiten schon erlebt? 
Ja sicher ;-)
Allerdings bewege ich mich nicht nur zwischen den Zeiten, sondern auch zwischen vielen verschiedenen Welten. Ich brauche dazu kein Gemälde, meine Türen sind die Bücher. Bücher, die ich lese und natürlich auch die Bücher, die ich schreibe.
In Mauerbach durfte ich tatsächlich einmal ein wenig Vergangenheit schnuppern, als ich mit meiner Familie in den alten Mönchszellen übernachtet habe. Es war mitten im Winter, es war höllisch kalt, weil es keine Heizung gab, wir mussten zu unseren Zellen durch stockdunkle lange Gänge nur mit einer Kerze in der Hand laufen. Zum Glück waren unsere Bettdecken um einiges dicker und kuscheliger als die der Mönche früher.

Was an der Geschichte ist wirklich geschehen und was hast du dir ausgedacht? 
Die Geschichte der Kartause, die Flavio erzählt, die stimmt wirklich. Mich hat es unglaublich erschüttert, dass in ein Gebäude, das für ursprünglich 30 Mönche gedacht war, später rund 800 Kranke und Sterbende eingepfercht wurden. Auch die Überfälle der Türken auf Wien und seine Umgebung sind natürlich geschichtlich belegt.
Viele Entdeckungen, die Nele und Flavio im Laufe ihrer Suche nach Jan machen, gibt es tatsächlich, so zum Beispiel die Gruft für Obdachlose unter der Mariahilfer-Kirche in Wien, das geheimnisvolle Kreuz im Fußboden, das Brunnenhaus, die Schatzkammer und natürlich das Altargemälde! Mehr möchte ich gar nicht verraten.
Aber wer die Möglichkeit hat, sollte sich eine Führung in der Kartause Mauerbach wirklich nicht entgehen lassen. Es lohnt sich!
Mehr zu dem Buch und seiner Entsteht gibt es auch hier. Amazon

Kommentare:

  1. Hallo, Birgit, ich wollte dir einfach mal sagen, dass ich dein Blog gerne lese. Es gibt so einen Pokal, den man dann weiter geben kann, und ich überreiche ihn dir hiermit. Er nennt sich Versatile Blogger. Ich habe ihn gestern gekriegt und reiche ihn hiermit an dich weiter.
    Wenn du keinen Bock auf so einen Preis hast, ignoriere es einfach, lass dir aber wenigstens sagen, dass dein Blog total interessant und informativ ist.
    Gruß Annette

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Annette,
    oh wie schön, ein Kommentar und dann noch so ein schöner, Danke.
    Gerne nehme ich den Pokal und werde gleich mal recherchieren, was es damit auf sich hat.
    Vielen, vielen Dank und viele Grüße Birgit

    AntwortenLöschen
  3. Nun habe auch ich verstanden, was der "Versatile Blogger Award ist" - verlinkt habe ich deinen Blog schon, liebe Annette, um den Blog weiterzugeben, muss ich erst mal ein bisschen recherchieren, aber die sieben Dinge über mich, die kann ich auswendig:
    1. Ich lebe mit, in und von Büchern.
    2. Ich schreibe für mein Leben gerne.
    3. Ich mag Elefanten.
    4. Ich sammele Pixibücher, die in kleinen Vitrinen bei mir im Flur stehen.
    5. Ich habe über Erich Kästner promoviert, weil mit sein Engagement für eine bessere Welt gefällt.
    6. Ich liebe es, von meinem Schreibtisch aus auf das Menschengewusel unter meinem Fenster zu schauen.
    7. Ich bin neugierig auf die Leben anderer Menschen und sammle deshalb Kindheitsträume.

    Und jetzt surfe ich ein bisschen, um Blogs zu finden, denen ich den Award weitergeben möchte.
    Einen Award gebe ich auf jeden Fall an Sibylle Pietrek und ihren Gartenblick-Blog: http://gartenblick.blogspot.com
    Ich forsche weiter.

    AntwortenLöschen